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Nachfolge im Realitätstest

Alexander Rast zeigt, dass Unternehmenskauf kein aalglatter Projektplan ist, sondern ein Weg, den man aushalten muss.

Unternehmensnachfolge lässt sich gut als strukturiertes Projekt darstellen: Suchprofil, Identifizierung von Targets, Bewertung, Verhandlung, Finanzierung, Übergabe ->fertig.

 Doch wer Alexander Rast zuhört, merkt schnell: Diese Ordnung hilft bei der Orientierung, sie beschreibt aber nicht, wie sich Nachfolge anfühlt. Zwischen der Entscheidung, sich als Nachfolger auf die Suche zu machen und einem finalen Notartermin liegt eine lange Phase, in der vieles offen bleibt. Genau dort entscheidet sich, ob aus dem Wunsch nach Unternehmertum Realität wird.


Nachfolge beginnt nicht mit dem Kaufvertrag

Alexander Rast will Unternehmer werden – nicht durch eine Neugründung, sondern durch die Übernahme eines bestehenden Unternehmens. Nach fast zehn Jahren in der Unternehmensberatung fehlt ihm das, was er dort nie ganz hatte: etwas von Anfang bis Ende zu verantworten. Er beschreibt das selbst so:

„Was mir in der Beratung abgegangen ist, war einfach das Unternehmerische – dass man etwas aufbaut, dass man richtig mit anpackt, dass man mal einen Prozess von A bis Z begleitet und nicht nur irgendwo in der Mitte einsteigt und vor dem Ende wieder aussteigt.“

Alex kommt aus einer Unternehmerfamilie. Doch die Entscheidung für Nachfolge fällt bei ihm nicht aus Opportunismus, sondern ist der logische Schritt in seiner strategischen Weiterentwicklung. Er sucht keine Idee, sondern Verantwortung. Was er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht weiß: Welches Unternehmen es am Ende sein wird und wie lange die Suche dauern wird.

Alex ist seit Monaten aktiv auf der Suche nach dem Unternehmen, das er führen will. Gespräche laufen parallel, Optionen kommen hinzu, andere verschwinden wieder. Mal scheint ein Abschluss greifbar, dann verläuft ein Prozess im Sand.

Diese Phase beschreibt er nicht als frustrierend, sondern als lehrreich – aber fordernd. Die größte Herausforderung ist nicht fehlende Aktivität, sondern Unsicherheit.

„Das ist halt diese Ungewissheit, das ist diese Hürde, die man auch nehmen muss. Das ist für mich auf jeden Fall ein großer Bereich, eine große Hürde, ein großer Lernprozess, den ich nehmen musste – und den ich auch immer noch nehme.“

Hier zeigt sich, dass Nachfolger zu werden keine Abarbeitung eines einfachen Projektplanes ist, sondern ein Zustand, in dem man nicht selbst das Tempo vorgeben kann. Man braucht Geduld und Konsistenz.


Fokus als Selbstschutz

In Deutschland steht bei ca. 200.000 Unternehmen die Nachfolge an (IFM), und weit mehr als die Hälfte aller Deals im KMU-Segment erzielt ein Transaktionsvolumen unter 5 Millionen Euro (Dealsuite M&A Monitor). Alex weiß: Wer alles ansieht, verschwendet seine Zeit. Er definiert deshalb ein klares Suchprofil – Region Oberbayern, 20 bis 40 Mitarbeitende, EBIT zwischen 500.000 und einer Million Euro, Schwerpunkt Handwerk und technische B2B-Dienstleister.

Dieses Profil ist ein Filter. Es hilft, Prioritäten zu setzen und Energie zu bündeln und sich auf das zu konzentrieren, was seine Anforderungen erfüllen kann.

Nachfolge verlangt Offenheit – aber auch die Fähigkeit, Nein zu sagen. Zu allem, was einen nur ablenkt.


Bewertung: Orientierung ja, aber Entscheidung nein

Alex arbeitet mit klassischen Bewertungslogiken. Multiples, Vergleichswerte, Cashflow-Analysen. Doch er macht früh eine Erfahrung, die viele Nachfolger teilen: Der rechnerische Unternehmenswert beantwortet nicht die entscheidende Frage.

Diese lautet: Ist der Kauf finanzierbar und langfristig tragfähig?

„Ich muss ja auch zur Bank hingehen und sagen: Ich habe zwar die und die Bewertung gemacht, aber mit dem Cashflow und dem ganzen Kapitaldienst ist am Ende immer noch genug Geld übrig, dass das Unternehmen einen Puffer hat und gut wirtschaftet.“

Ein niedrigeres Angebot ist für ihn kein taktisches Mittel, sondern die Konsequenz dieser Rechnung. Er benennt das früh und offen – auch auf die Gefahr hin, dass Gespräche enden.


Finanzierung: der Punkt, an dem es ernst wird

Spätestens bei der Finanzierung wird Nachfolge konkret. Förderdarlehen, Bankgespräche, Eigenkapital, Verkäuferdarlehen, mögliche Co-Investoren. Und die nicht zu unterschätzende Frage nach persönlicher Haftung.

Alex setzt sich intensiv damit auseinander. Persönliche Haftung ist ein emotionales Thema und dazu eines, dass nicht nur ihn als Nachfolger, sondern auch seine Familie betrifft. Zu einer 100%-Haftung beim Unternehmenserwerb sagt er:

„Mich dermaßen finanziell an die Wand zu stellen – da geht es ja dann auch um meine Familie. Das ist ein Risiko, was, glaube ich, zu krass ist.“

Er ist bereit, Risiko zu tragen. Aber nicht blind. Nachfolge bedeutet für ihn, unternehmerisch zu handeln, ohne die eigene Lebensrealität auszublenden.


Die leise emotionale Seite der Nachfolge

Eine Sache, die sich in Finanzmodellen nicht abbilden lässt, prägt den Alltag der Suche stark. Die Nachfolge beginnt mit einer Idee, aber ohne konkretes Ziel. Monatelang arbeitet man auf etwas hin, das noch keinen Namen hat.

Diese Abstraktheit erzeugt innere Spannung. Gute Gespräche wechseln sich mit Zweifeln ab. Nicht, weil etwas falsch läuft, sondern weil diese Offenheit selbst belastend sein kann.

Während häufig über die emotionale Lage der Übergeber gesprochen wird: Loslassen, Kontrolle, Identität, zeigt Alexander Rasts Perspektive: Auch auf Käuferseite ist Nachfolge ein psychologischer Prozess. Geduld und Ausdauer werden zur Schlüsselkompetenz.

Um seine Lernkurve steiler zu stellen und die emotionalen Hochs und Tiefs der Suche abzufedern, hat Alex früh entschieden, dass Nachfolge kein Soloprojekt eines einsamen Suchers ist. Er holt sich bewusst Sparring von M&A-Beratern, Branchenkennern und insbesondere von anderen Nachfolgern.

„Viele sagen, Unternehmenssuche ist eine Solo-Sache. Ich sehe das ganz anders. Man muss schauen, dass man sich die richtigen Partner an die Seite holt.“

Austausch hilft nicht nur fachlich, sondern auch mental. Er ordnet ein, relativiert und stabilisiert. Gerade in Phasen, in denen Entscheidungen offenbleiben hilft das weiter. Alex fördert den Austausch und die Transparenz in der intransparenten Welt der Unternehmenstransaktionen sehr bewusst. Er betreibt einen eigenen Podcast zum Thema und hat die Community „Search Fund Hub“ mitgegründet.


Unternehmertum ohne Heldengeschichte

Alex erzählt keine Erfolgsstory im LinkedIn-Format. Er beschreibt seinen Weg zum Unternehmertum offen und ehrlich, mit vielen kleinen und großen Hürden, die es zu überwinden gilt. Und er sieht auch die Verpflichtung, die als Nachfolger auf ihn zukommt: gegenüber Mitarbeitenden, gegenüber ihren Familien, gegenüber einer Region.

Er sucht kein perfektes Unternehmen und keinen schnellen Abschluss. Er sucht eine Konstellation, die er langfristig verantworten kann und nachhaltig weiterentwickeln möchte.

Nachfolge ist für ihn kein einfacher Karriereschritt. Sie ist ein Weg, der Haltung verlangt.


Nachfolge findet im Dazwischen statt

Die Geschichte von Alexander Rast steht exemplarisch für viele Nachfolger, die heute Verantwortung übernehmen wollen, weder laut noch romantisiert, sondern realistisch.

Nachfolge scheitert selten am Willen. Sie scheitert an Finanzierung, Erwartungshaltungen und daran, dass die lange Phase zwischen Entschluss und Übergabe unterschätzt wird.

Wer diese Phase ernst nimmt, geht keinen schnelleren Weg. Aber einen tragfähigeren. Und genau dort entscheidet sich, ob aus dem Wunsch nach Unternehmertum Wirklichkeit wird.

Kontakt zu Alexander Rast

Wer Alexander Rast kontaktieren möchte. findet ihn auf LinkedIn.

Oder hört in seinen Podcast, die Mittelstandspiloten.

Unser Podcast mit Alexander Rast

Unser Gespräch mit Alexander Rast gibt es bei Spotify.

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